...ausnahmslos Allmountaincharakter mit meist unbestimmtem Ausgang haben, sollte an dieser Stelle sicherheitshalber vorweg genommen werden.
Wohl deshalb wurden meine, nach intensivem Kartenstudium vorgebrachten eindringlichen Warnungen im Hinblick auf die zu erwartenden Schiebe- bzw. Tragepassagen mit dem Hinweis abgetan, dass es sich ja lediglich nur um harmlose Forst-, ja schlimmstenfalls um gepflegte Waldwege handeln kann, bei dieser, noch nicht getesteten und ausschließlich am PC und Karte vorbereiteten (Erlebnis-) Tour !
Doch beginnen wir, wie es sich gehört, von Anfang an: Wir, das sind :
- MICHI unser heutiger Tourenguide und ambitionierter
Extrem-Allmountainbiker
- MICKI ein mit viel Erfahrung versehener Mountainbiker und stets mit schwerster
Fotoausrüstung ausgestattet
- CHRISTIAN ein Neuling in unserer Gruppe, welcher sich bereits bei seiner
Einstandstour eine zünftige Verspätung leistet, dessen wahre Gründe noch
untersucht werden müssen.
- ALPENCROSSER der MTB-Senior und Tourenautor, wohl mit Abstand das
schwächste Glied in dieser sonst so jungendlichen Gruppe, dafür jedoch immer mit
hochglanzpoliertem Bike!
- Die restlichen Sportler aus unserer Firma haben es trotz persönlicher Einladung unseres Guides vorgezogen, an dieser Tour nicht teilzunehmen, wofür wir auch vollstes Verständnis haben.
Sammelpunkt ist der Parkplatz vor dem BILLA Kaufhaus in Maria Rain, wo sich das kleine Häufchen hochmotivierter Biker – mit einer bereits erwähnten Ausnahme pünktlichst um 07:30 MESZ zusammentrifft. Das Wetter zeigt sich zunächst ein wenig bewölkt sowie angenehm frisch und verspricht für den heutigen Tag ideale Tourenbedingungen!
Mit den Bikes in und teilweise an den Autos geht es Richtung Süden über den nunmehr offenen und ausweislosen Grenzübergang Loiblpass nach Slowenien. Nach etwa 5 km wird rechts abgebogen um danach links die Hauptstraße E652 zu queren, wiederum links ab und wir sind schon an unserem Ausgangs- und Zielpunkt neben einem von außen eher unscheinbar erscheinenden Restaurant.
Auf die üblichen Sticheleien der lieben Kumpels wegen meiner gründlichen Vorbereitungen gehe ich vernünftigerweise nicht näher ein und so übersehen wir, dass sich unser mit Dopingmittel vollgestopfter Kollege CHRISTIAN ohne Rücksprache alleine auf und davon macht!
Wir starten daher zu dritt und gehen es zunächst moderat Richtung Norden an. Vorerst sanft bergan bis wir nach etwa 1,5 km nach links über die Hauptstraße in den Potocnikovgraben einfahren. Ab hier wird’s lustig, weil sich das offenbar sehr wenig befahrene Schotterweglein mächtig entgegenstellt. Als Erstmaßnahme wird in solchen Fällen die Adjustierung den Verhältnissen angepasst und dem Körper erstmalig Flüssigkeit, in meinem Falle Wasser, zugeführt. Ein in solchen Situationen wahres Wundermittel ist mein altbewährtes Multifunktionstuch, welches ich als
Piratentuch über mein bereits etwas kahles Haupt stülpe. Nun sieht die Welt gleich anders aus und es geht trotz der giftigen Anstiege flott voran. MICHI und meine Wenigkeit setzen sich bald ab, so dass wir nach einiger Zeit auf unserem Fotografen MICKI zuwarten müssen, nicht umsonst, weil der schießt die ersten schönen Bilder dieser Tour.
Mittlerweile haben wir uns, oder drücken wir es besser aus, hat sich der harte Weg uns angepasst und so fressen wir die Höhenmeterchen förmlich hinauf. Wie ein aus Titozeiten übrig gebliebener Partisan kriecht plötzlich aus dichtem Gestrüpp und mit einer zur Hälfte aufgebrauchten Klopapierrolle ausgestattet zur Rechten unser Flüchtling CHRISTIAN hervor. Das in den letzten Tagen üppig konsumierte Magnesiumpulver hat seine Wirkung doch nicht verfehlt!
Nun sind wir wieder kompletto und nach einigen lästigen, aber nicht unüberwindbaren Giftanstiegen treffen wir mit einer kleinen Ausnahme in guter Verfassung bei der > planina PREVAL < auf 1311 MSL ein.
Die kleine Erfrischung aus jeweils einem Cola und einem Stück kräftigem Wurstbrot, gestiftet übrigens von CHRISTIAN, gibt Kraft für neue Taten. So verlassen wir die von vielen Wanderern besuchte urige Hütte zwischen einer Herde Kühe.
Volle hinauf, wie soll`s auch anders sein, geht es weiter bis zu einer Kehre, welche einen schönen Ausblick zurück freigibt. Erraten, MICKI bringt unter großer Gefahr seine Kamera auf einem Holzpfahl in Position und Dank seines selbstlosen Einsatzes entstehen wieder einige schöne Aufnahmen. Bald haben wir den ersten Hauptanstieg in 1415 MSL abgeschlossen und bereiten uns auf die bevorstehende Abfahrt vor. Hinunter lasse ich die waghalsigen Rotzbuben vor und halte mich als Sicherheitsbeauftragter eher behutsam folgend hinterher um im Ernstfall zur Stelle zu sein. Ab der > Tomceva koca < wird der Weg immer enger und führt dicht in den Wald bis plötzlich unser Guide die Anweisung, rechts direkt in das Dickicht abzubiegen erteilt, weil es eben das GPS so vorgibt! Unsere Drahtesel schiebend und teils tragend kämpfen wir uns durch dichten und unwegsamen Wald später steil nach unten bis wir irgendwie auf einen garantiert mindestens hundert Jahre nicht mehr begangenen grobsteinigen Pfad stoßen. Es klingt beinahe ein wenig entschuldigend wenn MICHI beteuert, dass wir uns nach seinen Unterlagen auf einen schönen, komfortablen Waldweg befinden müssten, tun wir aber nicht!
Wie alles im Leben, so vergeht auch diese (ungeplante) Sonderübung nach vielen blöden Sprüchen und einen kapitalen „Köpfler“ unseres mittlerweile zum Downhiller aufgestiegenen CHRISTIAN. So finden wir uns auf einem wunderschönen naturbelassenen Plätzchen bei einer Brücke über die > Zavrsnica < auf 893 MSL wieder. Fototermin + Blümchenknipsen! Ab hier geht es nur noch aufwärts auf Schotter, anfangs noch fahrbar bis bald, aufgrund des grobschottrigen Untergrundes und der unverschämten Steilheit völlig unfahrbar gewordenen Weges.
Nur zu gut, dass wir die vereinzelt entgegenkommenden Bergsteiger in Ermangelung der slowenischen Sprache nicht verstehen konnten, wer weiß, welche Kommentare da auf uns zugekommen sind!? Einen richtigen hochalpinen Mountainbiker können auch die 400 HM Schiebestrecke auf Geröll nichts anhaben, oder doch – Ausnahmen bestätigen die Regel!
Schon deshalb genehmigen wir uns auf der nächsten Hütte eine kleine Stärkung in 1411 Meter über dem Meer mit einem schönen Ausblick hinunter auf dem > Blejsko Jezero < und Bled. Das MICKI auch hier wie wild herumknippst fällt uns schon gar nicht mehr auf.
Ein klein wenig ausgekühlt von der ausgiebigen Rast quälen wir unsere Kadaver inklusive Zubehör die restlichen HM´s hinauf auf den Scheitelpunkt unserer Tour in 1550 MSL. Wirklich wunderschöne Ausblicke auch ostwärts eröffnen sich uns.
Nun aber läuft unser Meisterfotograf zu seiner absoluten Topform auf, indem sein Finger vom Kameraauslöseknopf überhaut nicht mehr zu trennen ist.
Mir ist es bis heute rätselhaft, wie man ein so gelungenes Gruppenfoto per Kamera-Selbstauslöser überhaupt schaffen kann, Kompliment unserem MICKI, echt Spitze!
Ab nun geht’s bis auf einen kleinen Anstieg nur noch abwärts, vorbei beim > Dom na Zelenici < und ab der Sessellift-Bergstation steil auf Grobschotter hinunter durch das Kar mit Schneeresten. Der Sattel ist schon längst tiefer gestellt und mit äußerster Vorsicht, sowie wohldosiertem Einsatz der Scheibenbremsen wird mehr oder weniger flott abgefahren.
Sichtlich erleichtert ist nun auch unser Guide MICHI, weil ab hier herunten bei der Kirche > Sv. Ana < in 1029 MSL Nähe Loiblpass ein „Verfranzen“ nun doch nicht mehr passieren sollte.
Über Wiesen und Nebenweglein gelangen wir nach einer gefahrenen Strecke von ca. 27,5 km bei einer aufwärts überwundenen Höhendifferenz von 1513 m erleichtert zu unserem Ausgangspunkt zurück. Die schöne, abwechslungsreiche (Erlebnis)-Tour klingt beim „individuellen“ Flüssigkeitsnachschub und einer jeweils großen Portion Calamari mit einer anregenden detaillierten Nachbesprechung sehr gemütlich aus - weil heute ja lediglich nur harmlose Forst- und gepflegte Waldwege befahren wurden...
Klagenfurt, am 13.06.2009
Josef Laussegger
ALPENCROSSER







